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Sunday 05 Sep 2010
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Häufige Zahnerkrankungen: Karies II
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laecheln_chidentVorbeugung & Behandlung
Die beste Möglichkeit, Karies vorzubeugen ist eine Beschränkung der Zuckeraufnahme. Dadurch wird die Veränderung der Mundflora in Richtung einer kariogenen Plaque verhindert. Die Amerikanische Zahnärztliche Vereinigung und die Europäische Kinderzahnärztliche Akademie empfehlen den Konsum zuckerhaltiger Getränke einzuschränken sowie Säuglingen und Kleinkindern keine zuckerhaltigen Flüssigkeiten zum Einschlafen zu geben. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass unraffinierter Vollrohrzucker weniger kariös wirkt.

Als gute Möglichkeit, die Entstehung von Karies zu verhindern, wird die Prophylaxe mit Fluorid angesehen. Fluorid fördert die Remineralisation, härtet die oberste Schmelzschicht und hemmt das Bakterienwachstum. Als Vorbeugung für ganze Bevölkerungsgruppen wurde in der Vergangenheit die Fluoridierung des Trinkwassers diskutiert. Wegen der unterschiedlichen Gewohnheiten gibt es jedoch Bedenken wegen möglicher Überdosierung und Nebenwirkungen. Auch der Zusatz von Fluoriden im Speisesalz kommt zur Anwendung.

Daneben kann eine gründliche Entfernung der Zahnbeläge die Demineralisation verhindern. Kurz nach den Mahlzeiten sollte diese nicht erfolgen, da der Zahnschmelz bereits angelöst ist und durch das Reinigen leichter abgetragen werden kann. Als Hilfsmittel können Chemotherapeutika wie Fluoride und Chlorhexidin verwendet werden. Zusätzlich sind ein Ersatz von Zucker durch Xylitol (auch Xylit genannt), die Versiegelung der Fissuren, regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt und natürlich die regelmäßige Zahnreinigung gute Optionen, um sich vor Karies zu schützen. Dabei ist die einzige Möglichkeit, die Plaque zuverlässig zu entfernen, die Reinigung der Zähne mit der Zahnbürste und in den Zahnzwischenräumen mit Zahnseide oder, bei größeren Abständen zwischen den Zähnen, mit der Zahnzwischenraumbürste. Mundspülungen, auch Chlorhexidindigluconat, können eine Neubildung der Plaque verzögern, aber nicht verhindern.

Vor allem in Finnland wurde seit den 1970er-Jahre der Einsatz von Xylit systematisch erforscht. Dabei wurde belegt, dass Xylit nicht nur die Kariesbildung nachhaltig hemmt, sondern auch zu einer Remineralisierung der betroffenen Zahnbereiche führen kann. Die antikariogene Wirkung wird dadurch erklärt, dass die kariogenen Streptococcus mutans das Xylit nicht verstoffwechseln können und damit absterben. Weiterhin werden sie auch daran gehindert, als Plaquebakterien an der Zahnoberfläche anzuheften. Als optimal wurde in den finnischen Studien eine Xylitmenge zwischen 5-10 Gramm pro Tag in mehreren Portionen ermittelt. Dies kann mittels Kaugummi oder Lutschpastillen erfolgen. Darüber hinaus regt Xylit die Speichelproduktion an und fördert die Bildung von Komplexen mit Calcium und Speicheleiweißen in der Mundhöhle, was zu einer Remineralisation von Zahnhartsubstanz führt.

Polyphenole aus roten Weintrauben hemmen die Bakterienart Streptococcus mutans, die zum Aufbau von Zahnbelägen (Plaque) und sogenannten Biofilmen auf den Zähnen beiträgt. Durch ihre bakterizide Wirkung hemmen Polyphenole die schädlichen Auswirkungen der Bakterien und wirken so auch vorbeugend gegen Zahnfäule und Zahnkaries.

Ein völlig neuer Ansatz zur Kariesprophylaxe ist ein effizientes Bakterienmanagement, das sich am Bakterientiter (Konzentration) im Speichel orientiert, sich diesem anpasst und dafür sorgt, dass sich die Bakterienkonzentration im Mund konstant in der physiologisch sinnvollen Konzentration einregelt. Dafür werden antibakterielle Wirkstoffdepots im Mund platziert, die mit einem für die Bakterienzellteilung notwendigen Stoff (Lecithin) umhüllt werden. Bakterien, die in die Zellteilungphase eintreten, nutzen das Lecithin des Wirkstoffdepots zum Aufbau einer neuen Zellhülle (Zellgrenzschicht). Dabei werden die antibakteriellen Inhaltsstoffe der Wirkstoffdepots freigesetzt, die Bakterienzellteilung verhindert und der Keimtiter im Mund auf ein konstantes Niveau eingestellt.

Eine weitere neuartige Entwicklung ist die Verwendung von speziellen Milchsäurebakterien, zum Beispiel als Hauptbestandteil von Zahnpasta: der Lactobacillus paracasei gegen Karieserreger. Diese sind in der Lage, Kariesbakterien gezielt zu erkennen, an diesen anzudocken und danach leicht zu entfernen.

Man hat festgestellt, dass die Anfälligkeit für Karies genetisch bedingt ist. Getrennt lebende eineiige Zwillinge, deren Zuckerkonsum unterschiedlich war, hatten einen ähnlichen Zustand der Zähne. Die Zahnpflege hat dennoch einen Sinn, denn die genetische Veranlagung schützt bei schlechter Mundhygiene nicht vollständig vor massivem Bakterienbefall und seinen Folgen.

Es gibt auch vererbte Krankheitsbilder. Beispielsweise die Amelogenesis imperfecta, eine angeborene Störung der Zahnschmelzbildung, die mit einer erhöhten Kariesanfälligkeit einhergeht.

Behandlung
Die Entkalkung („macula alba“) als Vorstufe der Karies lässt sich durch intensive Fluoridierung mit speziellen Fluoridpräparaten remineralisieren und so zum Verschwinden bringen.

Spätere Stadien der Karies, die mit einer Kavität („Loch“) einhergehen, müssen anders versorgt werden: Die betroffene Zahnhartsubstanz muss ausgeräumt und der Zahn mit einem Füllungsmaterial (beispielsweise Komposit oder Amalgam) versorgt werden.

Bei stärkerer Zerstörung des Zahnes kommt nur eine Überkronung oder ein vollständiges Entfernen in Frage. Der entfernte Zahn sollte möglichst umgehend ersetzt werden (Brücke oder Implantat), um Veränderungen des Kiefers zu verhindern.

Es wird empfohlen, zweimal im Jahr zum Zahnarzt zu gehen, damit dieser den Zustand der Zähne kontrolliert. Dabei sollte gegebenenfalls Plaque und Zahnstein entfernt werden. Einige Zahnärzte bieten auch die Fluoridierung der Zahnoberfläche als Vorbeugung an. Zahnschmerz kommt als Warnsignal oft zu spät.

Durch den weitverbreiteten Gebrauch von Fluoriden beobachtet man heutzutage das Phänomen der „verborgenen Karies“. Kleine Kavitäten in den Fissuren oder Zahnzwischenräumen breiten sich in Richtung des Dentins aus, ohne zu einer nennenswerten Schädigung der Schmelzschicht zu führen. Dadurch bleibt lange Zeit bei flüchtiger Untersuchung der Eindruck eines gesunden Gebisses. Röntgenaufnahmen sind inzwischen eine zuverlässigere Diagnosetechnik.

Eine neuartige Behandlungsmethode, die Kariesinfiltration, soll beginnende Karies ohne Bohren stoppen.

Quelle: Wikipedia

Weitere Informationen zu Karies  & Zahnersatzlexikon

 
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